Bei einem Kunden lief ein Chevrongurt, und man war dort überzeugt, das Thema Steigung sei damit erledigt. Solange trockener Kies lief, gab es auch keine Probleme. Dann kam nasser Sand, und an der steilsten Stelle rutschte ein Teil der Fracht wieder nach unten. Das flache Profil war für diesen Winkel und dieses Material zu niedrig. Der Gurt konnte nichts dafür, da hatte sich vorher einfach jemand verrechnet.

Wenn der glatte Gurt das Gut nach unten fördert
Ein glatter Gurt fördert bergauf nur so lange zuverlässig, wie die Reibung zwischen Gut und Deckplatte die Hangabtriebskraft übersteigt, also den Anteil des Gutgewichts, der den Hang hinabzieht. Wird der Winkel zu groß, gewinnt die Schwerkraft. Ab wann genau, hängt vom Material ab: leicht rollende, runde Güter geben früher nach als klebrige. Als grobe Orientierung endet der sinnvolle Einsatz eines Glattgurts bei etwa 15 bis 20 Grad. Darüber rutscht ein Teil des Guts auf der Deckplatte zurück, statt mit dem Band nach oben zu laufen.
Genau hier setzt das Profil an. Es verschiebt die Grenze nach oben, ohne dass Sie die Trasse flacher bauen oder eine zusätzliche Übergabe einplanen müssen, an der ein zweites Band das Gut übernimmt. Ein Chevrongurt hebt die nutzbare Steigung von den 15 bis 20 Grad eines Glattgurts je nach Gut und Profilhöhe auf 20 bis 35 Grad an, an der Obergrenze auf rund 40 Grad. Das wirkt sich direkt auf die Baukosten aus. Eine steilere Trasse braucht weniger Grundfläche, kürzere Wege und im Zweifel eine Übergabe weniger.
Zurück zu dem Kunden mit dem nassen Sand. Der Fehler lag nicht am Chevron als Idee, sondern an der Annahme, ein Profil sei ein Profil. Ein niedriges Profil schafft mäßige Winkel und grobes Gut. Für nassen, klebrigen Sand am steilen Stück hätte es ein höheres gebraucht. Chevron ist gut. Aber jedes Profil hat seine Winkelgrenze, und die hängt vom Fördergut und von der Profilhöhe ab.
Wie Profilgurte greifen: das Wirkprinzip
Kurz zur Begrifflichkeit, weil die oft durcheinandergeht. Chevrongurt, Profilgurt und Stollengurt meinen im Kern dasselbe: einen Flachgurt mit aufvulkanisiertem Profil auf der Tragseite. Vorsicht nur beim Wort Stollengurt, das wird gelegentlich auch für Wellenkantengurte benutzt, und die sind ein anderes System. Weil die häufigste Profilform ein V ist, hören Sie oft auch V-Stollen dazu sagen.
Die Stollen auf der Tragseite arbeiten in zwei Richtungen zugleich. Sie erhöhen den Reibschluss, weil sie mehr Kante ins Gut drücken als eine glatte Fläche. Und sie bilden kleine Stufen, an denen sich das Material abstützt, statt abzurutschen. Das eine ist Reibung, das andere ein Formschluss, also Halt allein über die Form der Stollen. Zusammen sorgen sie dafür, dass die Fracht mit dem Band nach oben geht, statt an ihm vorbeizurollen.
Man kann sich das wie die Stollen unter einem Wanderschuh vorstellen. Auf der glatten Sohle rutschen Sie den Hang hinunter, mit Profil bleiben Sie stehen, weil sich die Kanten in den Untergrund krallen. Beim Fördergurt ist es dasselbe Prinzip: Die Stollenkanten greifen ins Fördergut, damit es am Hang nicht zurückrutscht.
Wie weit das trägt, ist keine feste Zahl, sondern ein Bereich. Die Herstellermatrix reicht je nach Gut und Profilhöhe von 15 bis 35 Grad, von Getreide am flachen Ende bis Erz und Schrott am steilen. Als absolute Obergrenze nennen Hersteller rund 40 Grad. Das sind Herstellerangaben und Orientierungswerte, keine garantierten Grenzen für Ihre Anlage. Im Betrieb entscheidet, wie feucht, wie schwer und wie gleichmäßig Ihr Gut wirklich aufliegt.
Profilhöhe, Gutart, Winkel: die Auswahlmatrix
Die Auswahl eines Profilgurts läuft immer über dasselbe Dreieck: Gutart, Profilhöhe und Winkel bedingen sich gegenseitig. Höhere Stollen schaffen steilere Winkel und gröberes Gut, kosten aber mehr Bauhöhe und lassen sich schwerer sauber halten. Ist die Höhe zu knapp gewählt, tritt das Problem mit dem nassen Sand wieder auf; ist sie zu üppig, schleppt der Gurt Profil mit, das die Anlage nicht braucht.
Die folgende Matrix stammt aus Herstellerunterlagen und ordnet gängige Güter ihren typischen Profilen, Höhen und erreichbaren Winkeln zu. Lesen Sie sie als Startpunkt für die eigene Auslegung. Zwei Betriebe mit demselben Gut können bei anderer Feuchte oder Korngröße unterschiedlich landen.
| Fördergut | Typisches Profil | Profilhöhe | Erreichbarer Winkel |
|---|---|---|---|
| Getreide, Körner | Offenes V | 6 bis 15 mm | 15 bis 20 Grad |
| Sand | Geschlossenes V | 15 bis 25 mm | 20 bis 25 Grad |
| Kies | U-Profil | 20 bis 25 mm | 25 bis 30 Grad |
| Kohle | Offenes V | 15 bis 25 mm | 20 bis 25 Grad |
| Erz | Geschlossenes V | 20 bis 32 mm | 25 bis 30 Grad |
| Schrott | Y-Profil | 25 bis 32 mm | 30 bis 35 Grad |
Übliche Stollenhöhen bewegen sich nach diesen Herstellerdaten etwa zwischen 5 und 32 Millimetern. Für grobe Güter und steilere Winkel führen andere Hersteller Profile bis rund 50 Millimeter. Wichtig ist vor allem die Richtung: Je gröber und klebriger das Gut und je steiler der Hang, desto höher das Profil. Und umgekehrt schafft feines Getreide auf einem flachen offenen V mehr, als man ihm zutraut, weil es sich ohnehin leicht führen lässt.
Die Profilgeometrien: offenes V, geschlossenes V, U und Y
Die Form entscheidet fast so viel wie die Höhe. Vier Muster sehen Sie am häufigsten, dazu einige Sonderformen wie Bull-Horn oder Multi-V für spezielle Fälle. Jede Geometrie ist ein Kompromiss zwischen Grip, Tragvolumen und Reinigbarkeit.
Das offene V ist der Allrounder für mittlere Steigungen. Weil es zu den Seiten hin offen läuft, kann Wasser ablaufen und das Profil reinigt sich im Betrieb ein Stück weit selbst. Das ist wie das Profil eines Reifens, das das Wasser zur Seite drückt, damit die Lauffläche greift. Das geschlossene V dagegen bildet Taschen, die mehr Gut fassen und mehr Grip an steileren Hängen geben. Der Preis dafür: Es hält auch mehr fest, was es schwerer zu säubern macht.
U- und Y-Profile sind die Kandidaten für die groben, steilen Fälle. Sie tragen hoch, halten grobes Gut wie Kies, Erz oder Schrott und schaffen die oberen Winkel im Chevron-Bereich. Welche Güter überhaupt auf Profilgurten laufen, reicht weit: von Getreide, Zucker und Sand über Kies, Kohle und Erz bis zu Zement, Holzhackschnitzeln, Dünger, Sackware und Recyclinggut. Die entscheidende Frage vorab ist selten die Marke, sondern eine einfache: Ist Ihr Gut eher leicht rollend oder eher klebrig? Daran hängen Profilwahl und Winkel mehr als an allem anderen.

Die Grenzen: Verschleiß und Reinigung
Diesem Gewinn an Steigung stehen zwei Nachteile gegenüber. Die Stollen stehen ungeschützt oben auf der Tragseite und nehmen jeden Aufprall und jede Reibung als Erste mit. Eine glatte Deckplatte verteilt den Verschleiß über die ganze Fläche, ein Profil konzentriert ihn auf die Spitzen. Genaue Standzeiten, also wie lange ein Profil bis zum Wechsel hält, sind anlagenspezifisch, deshalb nenne ich hier keine Zahl. Aus der Praxis sieht man die Stollen zuerst an den Spitzen runder werden. Und mit runden Spitzen sinkt der Grip, lange bevor der Gurt selbst verbraucht ist.
Der zweite Punkt ist die Reinigung, und der wird gern unterschätzt. Ein Glattgurt läuft über einen Kopfabstreifer, der die Tragseite sauber abzieht. An einem Profilgurt funktioniert das nicht: Die Klinge kann den Stollen nicht folgen, und das Gut setzt sich zwischen den Profilen fest. Belegt ist immerhin, dass das offene V hier im Vorteil ist, weil Flüssigkeit ablaufen kann und es sich leichter reinigen lässt, während das geschlossene V mehr trägt, aber auch mehr festhält. Konkrete Kennzahlen zum Rücktrag, also zu dem Material, das am Gurt haften bleibt und im Untertrum mit zurückläuft, oder zur Reinigung von Profilgurten gibt es nicht.
Ein Chevron-Gurt kann wegen seiner geformten Profile nicht mit normalen Abstreifern gereinigt werden. Es gibt jedoch spezialisierte Abstreifsysteme mit weicheren PU-Lamellen, die wie Kämme anmuten und hier gute Ergebnisse erzielen. Abstreifleistungen wie bei glatten Gurten werden nicht erreicht.

Wo Chevron endet und Wellenkante beginnt
Irgendwann reicht das höchste Profil nicht mehr. Praktisch endet der Chevrongurt bei rund 40 Grad. Bis dahin verschieben Sie mit Höhe und Geometrie die Grenze, aber senkrecht bekommen Sie das Gut damit nicht nach oben. Wer steiler fördern muss, bis zu 90 Grad und ohne dass unterwegs etwas herausfällt, ist im nächsten Segment.
Dort arbeiten Wellenkanten- oder Steilfördergurte. Sie haben einen querstabilen Basisgurt, sowie Wellenkanten und Querstollen, die zusammen Taschen bilden, in denen das Fördergut nach oben transportiert wird. Das ist ein eigenes System mit eigener Auslegung, kein höheres Chevron. Die Weiche ist einfach: Bis rund 40 Grad denken Sie an ein Profil auf dem Flachgurt. Darüber denken Sie an Wellenkante.

- Ein Chevrongurt trägt Stollen auf der Tragseite, die das Gut am Hang festhalten, wo ein Glattgurt schon bei 15 bis 20 Grad aussteigt.
- Der machbare Winkel liegt je nach Gut und Profilhöhe laut Herstellermatrix zwischen 15 und 35 Grad; als absolute Obergrenze nennen Hersteller rund 40 Grad.
- Die Auswahl läuft über das Dreieck Gutart, Profilhöhe und Winkel. Übliche Stollenhöhen liegen bei etwa 5 bis 32 Millimetern, für grobe Fälle bis rund 50.
- Die Geometrie zählt: offenes V entwässert und reinigt sich leichter, geschlossenes V trägt mehr und greift steiler, U und Y sind für grob und steil.
- Profile verschleißen an den Spitzen und lassen sich nicht mit einem Standard-Kopfabstreifer reinigen.
- Ab rund 40 Grad endet Chevron. Für steiler bis 90 Grad ohne Materialverlust brauchen Sie einen Wellenkantengurt.
Häufige Fragen
Welchen Steigungswinkel schafft ein Chevrongurt?
Grob 15 bis 40 Grad, je nach Fördergut und Profilhöhe. Die Herstellermatrix reicht von 15 bis 20 Grad für Getreide bis 30 bis 35 Grad für Schrott, als absolute Obergrenze nennen Hersteller rund 40 Grad. Ein Glattgurt steigt dagegen meist schon bei 15 bis 20 Grad aus. Das sind Orientierungswerte, keine Garantie für Ihre Anlage.
Welche Profilhöhe brauche ich für welches Material?
Je gröber und klebriger das Gut und je steiler der Hang, desto höher das Profil. Herstellermatrizen ordnen zum Beispiel Getreide einem flachen offenen V von 6 bis 15 Millimetern zu, Erz einem geschlossenen V von 20 bis 32 Millimetern. Übliche Stollenhöhen liegen bei etwa 5 bis 32 Millimetern, für grobe Güter und steilere Winkel gibt es Profile bis rund 50 Millimeter.
Was ist der Unterschied zwischen offenem und geschlossenem V-Profil?
Das offene V läuft zu den Seiten offen. Dadurch kann Flüssigkeit ablaufen und es lässt sich leichter reinigen, ist aber eher für mittlere Steigungen gedacht. Das geschlossene V bildet Taschen, fasst mehr Gut und gibt mehr Grip für steilere Hänge. Der Nachteil: Es hält auch mehr fest und ist schwerer sauber zu halten.
Kann man einen Chevrongurt mit einem normalen Abstreifer reinigen?
In der Praxis nicht. Ein Standard-Kopfabstreifer zieht die glatte Tragseite ab, kann aber den Stollen nicht folgen. Das Gut setzt sich zwischen den Profilen fest, und die Klinge kommt nicht daran. Profilgurte brauchen deshalb eine andere Reinigungslogik, eher Bürsten oder Sonderlösungen. Konkrete Kennzahlen dazu sind öffentlich kaum belegt, das ist eine Erfahrungsregel.
Wann reicht Chevron nicht mehr und ich brauche einen Wellenkantengurt?
Ab rund 40 Grad. Bis dahin verschieben Sie mit Profilhöhe und Geometrie die Grenze. Wer steiler fördern muss, bis zu 90 Grad ohne Materialverlust, braucht einen Wellenkanten- oder Steilfördergurt mit seitlichen Wellen und Querstollen. Das ist ein eigenes System, kein höheres Chevron.
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